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Lippe

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{{Begriffsklärungshinweis}} Die '''Lippe''' (Latein lat. ''Labium oris'', „Lippe des Mundes“) ist ein stets paarweise vorkommendes Organ (Biologie) Organ am Mund des Menschen und vieler Tiere (dort oft als '''Lefze''' bezeichnet). Die beiden Lippen sind weich, wulstig und sehr beweglich und dienen primär der Nahrungsaufnahme und als Haptische Wahrnehmung Tastorgan für aufgenommene Gegenstände. Bild:Lippen.png thumb|271px|schematische Darstellung der Lippen des Menschen

Anatomische Grundlagen der Lippe des Menschen
Bild:Orbicularis oris.jpg thumb|180px|Musculus orbicularis oris (rot umrandet), die fleischige Grundlage der Lippen Man unterscheidet ''Ober''- (''Labium superius'') und ''Unterlippe'' (''Labium inferius''), die Unterlippe ist meist etwas größer. Die geschwungene Einbuchtung in der Mitte der Oberlippe wird ''Amorbogen'', auch ''Kupidobogen'' oder ''Lippenherz'', genannt. An den Innenseiten beider Lippen gibt es eine kleine Schleimhautfalte zur Mundschleimhaut, das ''Lippenbändchen'' (''Frenulum labii superioris ''bzw.'' inferioris''). Die Fleisch (Anatomie) fleischige Grundlage bildet der ''Orbicularis oris Musculus orbicularis oris''. Zwischen Amorbogen und Nase liegt das ''Philtrum'', eine vertikale Vertiefung in Form einer „Rinne“, die unterschiedlich tief ausgeprägt sein kann. Das Philtrum stößt am oberen Ende an den Nasensteg (''Columella'', Lateinische Sprache lat. „Säulchen“) und bildet mit diesem den ''nasolabialen Winkel'', der eine durchschnittliche Weite von 90–95 Grad (Winkel) Grad bei Mann Männern und 100–105 Grad bei Frauen aufweist. Die Haut der Lippe ist beim Menschen mit drei bis fünf Zellschichten im Vergleich zu den bis zu 16 Zellschichten der übrigen Gesichtshaut sehr dünn. Bei heller Hautfarbe enthält die Lippenhaut keine Melanozyten (Pigment-Zelle (Biologie) Zellen, die die Haut dunkel färben). Dadurch scheint das Blut der darunter liegenden Blutgefäße stärker hindurch als bei der restlichen Gesichtshaut und führt zu einer deutlichen Rotfärbung der Lippen. Bei dunklerer Hautfarbe ist dieser Effekt weniger deutlich, denn hier ist auch die Lippenhaut mit Melanin durchsetzt und dadurch Extinktion (Optik) optisch dichter. Die Lippenhaut ist nicht behaart und verfügt auch nicht über Schweißdrüse Schweiß- und Talgdrüsen. Somit besitzt sie auch nicht den für die übrige Körperhaut des Menschen üblichen Hydro-Lipid-Film, eine Schutzschicht aus Schweiß und Talg, der die Haut geschmeidig hält und Krankheitserreger abtötet. Die Lippenhaut Trocknung trocknet deshalb schneller aus und wird leichter spröde.

Kompetente und inkompetente Lippen
Kieferorthopädie Kieferorthopäden unterscheiden ''kompetente'' Lippen, die den Mund in entspanntem Zustand versiegeln, von ''inkompetenten'' Lippen, die im entspannten Zustand den Mund nicht oder nicht vollständig verschließen. Es wird vermutet, dass inkompetente Lippen negative Auswirkungen auf die Zahn- und Kiefergesundheit haben, da bei vielen Tätigkeiten - beispielsweise beim Kauen - überdurchschnittlich hohe Muskelanspannung nötig ist, um den Mund zu verschließen; einige speziellere Beispiele werden weiter unten beschrieben. Inkompetente Lippen: Als inkompetente Lippen bezeichnet man ein fehlendes Teil. Diese sind jedoch extrem selten anzufinden.

Funktionen der Lippe


Nahrungsaufnahme
Bild:Breastfeeding.jpg thumb|150px|Lippen sind unerlässlich beim [[Säugen]] Die Lippen sind durch ihre eigene Muskelgrundlage und angrenzende Muskeln des Gesichtes sehr beweglich und werden bei der Nahrungsaufnahme verwendet, um Speisen festzuhalten oder in den Mund hinein zu befördern. Zudem dienen die Lippen dazu, den Mund luftdicht zu verschließen und so Nahrung und Speichel im Inneren zu halten oder unerwünschte Objekte auszusperren. Durch Bilden eines schmalen Trichters mit den Lippen wird die Sogkraft des Mundes erhöht. Das ist unerlässlich bei der saugenden Nahrungsaufnahme - etwa beim Säugen oder beim Essen von Spaghetti - und bildet auch das Funktionsprinzip des Trinkhalms. Eine inkompetente Unterlippe ist im Gegensatz zu einer kompetenten beim Kauen stets stark angespannt; einige Mediziner schließen, dass sich daraus negative Auswirkungen auf die Kaubewegung und damit auch auf die Kiefergesundheit ergeben könnten (siehe (#Literatur Lit.: Quelle [1])).

Tastorgan
Die Lippe weist viele Nervenenden auf und reagiert als Teil des Haptische Wahrnehmung Tastsinns sehr empfindlich auf Berührungen, Wärme und Kälte. Sie ist daher für Kleinkinder ein wichtiges Hilfsmittel zur Untersuchung unbekannter Gegenstände. Die Vielfältigkeit der vermittelten Sinneseindrücke zeigt sich auch beim Kuss Küssen.

Lautbildung
Die Lippen dienen zur Bildung verschiedener Laute - hauptsächlich den labialen, bilabialen und labiodentalen Phonen - und bilden dadurch einen wichtigen Teil des Sprachapparates des Menschen. Auf der Lautbildung mit den Lippen baut das Lippenlesen auf, das Erkennen von gesprochener Sprache allein durch Beobachten der Lippenbewegungen des Sprechers. Darüber hinaus ermöglichen die Lippen das Pfeifen und das Spielen von Blasinstrumenten wie Trompete und Flöte.

Mimik
Bild:Wangari Maathai potrait by Martin Rowe.jpg thumb|100px|[[Lächeln]] Beim Mimik mimischen Ausdruck von Emotion Gefühlen nehmen die Lippen als sichtbare Umrandung des Mundes eine herausragende Stellung ein. Die Abbildung eines Lippenpaares ohne Gesicht genügt in vielen Fällen, um den Gesichtsausdruck eines Menschen zu erraten: So sind etwa hochgezogene Mundwinkel meist ein Anzeichen für Freude, gerade oder herabgezogene Mundwinkel ein Anzeichen für Trauer. Diese Tatsache bildet die Grundlage einfacher Zeichnungen von Kleinkindern und Piktogrammen wie Smileys und Emoticons. Die ganze Bandbreite möglicher Gesichtsausdrücke allein durch die Lippenstellung wird deutlich in künstlerischen Formen wie Porträts und Comics und in Psychologie psychologischen Untersuchungen von Emotionen und Körpersprache.

Erogene Zone
Die Lippen bilden aufgrund ihrer hohen Nervendichte eine erogene Zone. Daher können schöne Lippen die sexuelle Attraktivität eines Menschen steigern. Ob Lippen schön sind, ist neben einer Symmetrie symmetrischen Form und einem gesunden Aussehen insbesondere davon abhängig, wie ''voll'' sie sind: Je voller die Lippen, desto schöner (siehe (#Literatur Lit.: Quelle [2])). Eine Lippe ist umso voller, je größer ihr vertikaler Durchmesser ist.

Symbolische Bedeutung
Lippen werden oft als Symbol für Sinnlichkeit angesehen. Dies hat vielfältige Ursachen, unter anderem, dass sie als Tastorgane besonders empfindlich sind und sich angenehm weich anfühlen. Darüber hinaus sind sie ein Teil des Mundes und übernehmen so einige von dessen symbolischen Verbindungen (siehe z. B. orale Phase der Psychologie nach Sigmund Freud). Eine besondere symbolische Verbindung besteht zu den Schamlippen der Frau, die die weiblichen Geschlechtsteile umgeben. Die ähnliche Beschaffenheit der Organe führt oft zu einer symbolischen Gleichsetzung, was in Metaphern wie „vertikales Lächeln“ für die Schamlippen (eigentlich ''sonrisa vertical'', ein Spanien spanischer Preis für Erotik erotische Literatur) gipfelt und umgekehrt die Lippen zu einem Sexualität sexuellen Symbol macht (siehe auch Verwendung von Lipgloss).

Veränderungen der Lippen
* Eine der häufigsten Veränderungen der Lippen ist die Blaufärbung aufgrund einer Zyanose: Das Blut enthält wenig Sauerstoff und hat dadurch eine dunkelrote bis blaue Farbe, die wiederum durch die dünne Haut hindurch scheint. Die Zyanose ist der Grund dafür, dass Leichname stets bläuliche Lippen haben. Bei Kälte kann eine Zyanose bereits bei leichter Unterkühlung auftreten, so dass insbesondere im Winter blasse oder bläuliche Lippen kein seltener Anblick sind. * Lippen können (vorübergehend) Schwellung anschwellen. Die Ursachen dafür sind vielfältig und reichen von Verletzungen über unerwünschte Nebenwirkungen von Medikamenten bis hin zu Fehlstellungen der Zahn Zähne.

Erbliche Besonderheiten und Missbildungen
Die folgenden Merkmale kommen häufig vor oder sind besonders bekannt: * Die Habsburger Unterlippe ist eine besonders stark ausgeprägte Unterlippe, die durch eine Überentwicklung des Unterkiefers hervorgerufen wird. Sie ist benannt nach dem deutschen Fürstenhaus Habsburg, in dem dieses erbliche Merkmal verbreitet war. * Alkoholembryopathie wird durch Alkoholismus der Mutter bei Embryonen ausgelöst. Typische Missbildungen sind ein schwach bis gar nicht ausgeprägtes Philtrum („wenig Relief“), eine noch dünnere Lippenhaut als gewöhnlich, retrahiertes Lippenrot und ein schwach ausgebildeter bis gar nicht vorhandener Amorbogen.

Krankheiten
Als Organ des Körpers kann auch die Lippe Krankheitsherd sein oder Symptome einer Krankheit aufweisen: * Lippenherpes (genauer gesagt ''Herpes labialis'', eine Unterform des ''Herpes simplex'') ist eine Viruserkrankung, die sich in der Bildung von schmerzhaften Bläschen an den Lippen äußert. * Karzinome (Krebs (Medizin) Krebsgeschwulste) an den Lippen werden vorwiegend durch Tabakkonsum und übermäßige Bestrahlung mit Sonnenlicht verursacht, ferner auch durch mangelhafte Mundhygiene, schlecht sitzende Zahnprothesen und Fehlbildungen der Zahn Zähne. Vor allem das Rauchen von Tabakspfeifen gilt aufgrund der besonderen Form des Paffens als Risikofaktor, aber auch Zigaretten und Kautabak können zu einer Erkrankung führen. Alkohol scheint die krebserregende Wirkung des Tabakkonsums zu steigern.

Verletzungen
Ungewollt oder gewollt treten häufig die folgenden Verletzungen der Lippen auf: * Rhagaden sind Einrisse der Haut. Sie können auftreten, wenn die Haut der Lippen aufgrund von Trockenheit, Frost oder Krankheiten wie Neurodermitis weniger Elastizität elastisch ist als gewöhnlich. * Durch ihre Dünne ist die Haut der Lippen extrem empfindlich und wird bei Frost leicht spröde und rissig; um dem entgegenzuwirken benutzen viele Menschen bei Kälte Hautcremes auf der Fettbasis oder entsprechende Präparate („Labello“). * Die Lippe ist durch die Dünne der Haut auch sehr verletzungsempfindlich und Blutung blutet im Fall einer Schnittwunde Schnitt- oder Platzwunde sehr stark. * Viele Menschen kauen auf ihrer Unterlippe, wenn sie Nervosität nervös sind oder reißen sich dann unbewusst abstehende Hautfetzen ab.

Plastische Chirurgie
* Lippenkorrekturen sind Schönheitsoperationen und sollen den Körper des Patienten verschönern. Meist wird hierbei ein Fetttransfer vorgenommen, also Fett aus einem anderen Gewebe des Körpers entnommen und zur Umformung der Lippen verwendet; umgangssprachlich ist dieser Vorgang als „Lippen aufspritzen“ bekannt. Die schönheitssteigernde Wirkung ist umstritten, Umfragen legen häufig den Schluss nahe, dass natürlich geformte Lippen als schöner empfunden werden, Quellen siehe Lippe#Weblinks Abschnitt Weblinks. * Die Rekonstruktive Chirurgie beseitigt natürliche Fehlbildungen wie Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalte Lippenspalten und durch andere Ursachen - etwa durch eine Tumorentfernung oder einen Unfall - entstandene Missgestaltungen

Schmuck
* Das Färben der Lippen mit Lippenstift soll diese optisch hervorheben. Meist sind es Frauen, die durch diese Form des Makeups Sinnlichkeit sinnlicher wirken wollen. * Labret-Piercings sind Piercings, die durch die Lippe gestochen und dauerhaft als Schmuck getragen werden. Piercings können den Lippen schaden und zu Erkrankungen und Entzündungen führen.

Lippen im Tierreich
Bild:Pongo pygmaeus (orangutang).jpg right|thumb|150px|Auch Tiere wie dieser [[Menschenaffe der Art Orang-Utan ''(Pongo Pygmaeus)'' haben Lippen.]] Lippen sind ein typisches Merkmal der Säugetiere (mit Ausnahme der Ursäuger, die Schnabel Schnäbel besitzen). Vermutlich sind die Lippen durch Evolution gerade bei dieser Klasse (Biologie) Klasse von Tieren entstanden, weil sie das Säugen - das gemeinsame Merkmal aller Säugetiere - unterstützen und vereinfachen. Die Lippen erfüllen im Tierreich ganz ähnliche Aufgaben wie beim Menschen: Sie dienen hauptsächlich der Nahrungsaufnahme und als Tastorgan. Besonders bei Raubtieren unterstützen die Lippen die Mimik. Wenn beispielsweise Hunde die Lefzen (Lippen) nach oben ziehen und so die die Zähne entblößen („Zähne blecken“), so kann dies Teil einer Drohgebärde sein, die Rivalen abschrecken soll. Bei der Lauterzeugung spielen die Lippen hier aber meist eine untergeordnete Rolle.


Siehe auch
Labien

Weblinks
{{Wiktionary|Lippe}} {{Wikiquote|Lippen}} Wissenschaftliche Untersuchungen:
- 3Sat nano - „Rote Lippen mag nur knapp jeder Fünfte“ - repräsentative Umfrage zum Themenkomplex Lippen - Küssen - Schminken
- 3Sat nano - „Menschen mit vollen Lippen sind attraktiver“ - Bericht über eine Studie der USA US-amerikanischen Universität Louisville (Kentucky) Louisville Gesundheitsbezogene Themen:
- ARD Morgenmagazin - „Sonnenschutz fürs Gesicht“ - Hinweise zum Sonnenschutz bei heller Hautfarbe mit Betonung der Lippen Lippen in der Kunst:
- Theodor Storm: Deine Lippen sind entzaubert - Gedicht des deutschen Schriftstellers Theodor Storm
- Peter Kraus: Rote Lippen soll man küssen - Text und Musik des bekannten deutschen Schlagers Kategorie:Verdauungsapparat {{Gesundheitshinweis}} ast:Llabiu en:Lip eo:Lipo es:Labio fi:Huulet fr:Lèvre he:שפתיי×? it:Labbro ja:唇 ln:Mbébo nl:Lip nn:Lippe pl:Wargi pt:Lábio ru:Губы simple:Lip sq:Buza sv:Läpp

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[Der Artikel zu Lippe stammt aus dem Nachschlagewerk Wikipedia, der freien Enzyklopädie. Dort findet sich neben einer Übersicht der Autoren die Möglichkeit, den Original-Text des Artikels Lippe zu editieren.
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