W i l l k o m m e n   b e i   [ www.mauspfeil.com ]
 
 







          

 

Wörterbuch der Bedeutung
<<Zurück
Bitte wählen Sie einen Buchstaben:
A, Ä | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O, Ö | P | Q | R | S | T | U, Ü | V | W | X | Y | Z | 0-9

Suchen:

(Groß-/Kleinschreibung wird nicht unterschieden)

Shopping-Bestseller-Suche:   
 Klicken Sie hier, um zur Shopping-Mall zu gelangen

Google


Kurt Schumacher

*** Shopping-Tipp: Kurt Schumacher

{{Dieser Artikel| beschäftigt sich mit dem Politiker Kurt Schumacher. Für den gleichnamigen Bildhauer, siehe Kurt Schumacher (Bildhauer).}} '''Kurt Schumacher''' (* 13. Oktober 1895 in Chełmno nad Wisłą Culm, Westpreußen; † 20. August 1952 in Bonn) war ein Deutschland deutscher Politiker. Er war Parteivorsitzender der Sozialdemokratische Partei Deutschlands SPD von 1946 bis 1952 und SPD-Fraktionsvorsitzender sowie Oppositionsführer im ersten Deutscher Bundestag Deutschen Bundestag von 1949 bis 1952. Kurt Schumacher war in der Zeit von 1945 bis 1949 maßgeblich am Wiederaufbau der SPD in Westdeutschland beteiligt. In den ersten Jahren der Bundesrepublik war Schumacher der große Gegenspieler Konrad Adenauers. Auch wenn Schumacher langfristig mit seinen politischen Vorstellungen zum größten Teil scheiterte, gehörte er doch zu den Gründervätern der Bundesrepublik Deutschland. Hervorzuheben ist seine strikte Ablehnung der Sozialistische Einheitspartei Deutschlands SED. Durch diese Entscheidung prägte er das Profil der Sozialdemokratie in der Bundesrepublik entscheidend. Bild:2_DM_Kopseite_Kurt_Schumacher.jpg thumb|226px|right|Kurt Schumacher auf der 2 DM-Münze

Leben
Schumacher stellte nach seiner Promotion in Rechtswissenschaften sein gesamtes Leben aktiv in den Dienst der Sozialdemokratische Partei Deutschlands SPD. Vor 1933 war er zunächst Redakteur einer Parteizeitung, dann Landtags- und Reichstagsabgeordneter. Den größten Teil der Zeit des Nationalsozialismus musste er im Konzentrationslager KZ verbringen. Nach 1945 wurde er unumstrittener Parteiführer und eine der prägenden Gestalten der frühen Bundesrepublik. Im Gegensatz zum ''Fuchs'' Konrad Adenauer Adenauer beschreibt sein Biograf Peter Merseburger ihn in Anlehnung an Niccolò Machiavelli Machiavellis Terminologie als ''Löwen''. Ausgesprochen willensstark, polemisch und scheinbar unbeirrbar in seinen Vorstellungen bildete er das in der Wahrnehmung der Zeitgenossen ebenso charismatische Gegenbild zum ersten Kanzler. Der Preußen preußische Sozialismus Sozialist Schumacher war in den ersten Jahren der Bundesrepublik in der Öffentliche Meinung öffentlichen Meinung der klar dominierende Politiker Westdeutschlands. Erst durch die Wahl des Rheinland rheinischen Römisch-Katholische Kirche Katholiken Adenauer zum Kanzler und den fast zeitgleich einsetzenden endgültigen körperlichen Verfall Schumachers wandelte sich dieses Bild. Seine Forderungen trug Schumacher mit leidenschaftlicher Radikalität vor. Einen Arm hatte er im Erster Weltkrieg Ersten Weltkrieg verloren, sein linkes Bein musste 1948 amputiert werden; die Zeit im Konzentrationslager hatte seiner Gesundheit schwer geschadet. Ausgemergelt und körperlich geschädigt, war der Kettenraucher doch mit einem scheinbar bis zum Starrsinn reichenden unbeugsamen Willen versehen und wirkte auf viele seiner Zeitgenossen und Gesprächspartner wie ein lebendes Symbol moralischer Aufrichtigkeit und des unbeugsamen Kampfes für einen freiheitlichen Sozialismus.

Zeit bis 1945


Kindheit und Schulzeit
Bild:Schumacher-geburtshaus-20.10.2002.jpg thumb|Geburtshaus Schumachers
in [[Chełmno (Weichsel)|Culm
(heute Chełmno)]] Schumacher wurde als viertes Kind und einziger Sohn des evangelischen Kaufmanns Carl Schumacher und seiner Frau Gertrud, geb. Meseck, am 13. Oktober 1895 geboren. Der Eintrag im Standesamt lautete auf ''Curt Ernst Carl'' Schumacher. Sein Vater Carl war nicht nur geschäftlich erfolgreich, sondern auch politisch aktiv. Der Anhänger der linksliberalen Deutsche Freisinnige Partei Deutschen Freisinnigen Partei übte für viele Jahre das Amt des Culmer Stadtverordnetenvorstehers aus; höchstwahrscheinlich (genaue Daten sind nicht überliefert) unterstützten ihn dabei auch die polnischen Abgeordneten. Die Schumachers hatten weitverzweigte verwandtschaftliche Beziehungen zur Führungselite der Stadt. Seit 1911 war Carl auch Kreistagsabgeordneter, 1914 und 1917 vertrat er Culm bei den Verhandlungen des Reichsverbandes deutscher Städte. Kurt Schumacher las in dieser Zeit die Sozialistische Monatshefte Sozialistischen Monatshefte – die Zeitschrift des Revisionismus revisionistischen Flügels der SPD - und den März (Zeitschrift) März, eine Liberalismus linksliberale, von Hermann Hesse und Ludwig Thoma herausgegebene Zeitschrift. Der Junge aus gutbürgerlichem Haus galt in der Schule als überzeugter Sozialdemokrat, litt aber unter der Vereinsamung, die eine solche Haltung innerhalb der westpreußischen Gesellschaft mit sich brachte. Bild:Kurt_Schumacher1.jpg thumb|Gedenkplatte, Kurt-Schumacher-Haus,
[[Berlin-Wedding
]] In einem Selbstporträt, das Schumacher 1924 zur Bewerbung bei einem Doktorvater anfertigte, schrieb er: ''„Mein Interesse für historische und politische sowie philosophische Dinge brachte mich sehr frühe dem Sozialismus nahe. Die üble und ungünstige Umgebung, die eine ostmärkische Kleinstadt für solche Interessen nun einmal ist, hat mich notgedrungen sehr frühzeitig zu einer Schablonisierung meiner Ansichten gebracht – spätestens seit meinem 15. Jahre zählte ich mich innerlich zur Sozialdemokratischen Partei. Allerdings fehlte diesen „Schablonen“ dadurch manches ihrer Gefährlichkeit, dass ich durch die Lektüre Eduard Bernstein Bernsteins (was mir heute etwas sehr sonderbar vorkommt) Sozialdemokrat im Parteisinn geworden bin.“'' Die Prägung durch Bernstein und dessen Stellung gegen den orthodoxen Marxismus begleitete Schumacher sein ganzes Leben lang. Culm lag nur 30 km von der Grenze des damals zaristischen Russlands entfernt. Seine Mitschüler waren zum größten Teil Polen, in seiner Abschlussklasse befanden sich acht Deutsche und 14 Polen. Am Gymnasium in Culm war einige Jahre vor Schumachers Schulbeginn der Gebrauch der polnischen Sprache verboten worden; ein Verbot, das jährlich rituell in einer großen Versammlung wiederholt wurde. Durch seinen Mitschüler und Freund Franciszek Raszeja wurde Schumacher in die traditionsreiche aber verbotene Philomatenvereinigung der Polen aufgenommen und lernte so deren Einstellungen, die polnische Kultur und ihr ausgeprägtes Nationalbewusstsein kennen.

Kriegsfreiwilliger
Bei der ersten möglichen Gelegenheit meldete sich Schumacher am 2. August 1914 – kurz nach Beginn des Erster Weltkrieg Ersten Weltkriegs – als Kriegsfreiwilliger, ohne zu ahnen, wie sich dies auf seine Schullaufbahn auswirken würde. Sein Entschluss fiel unter anderem aus der Überlegung, dass für die Grenzstadt Culm die akute Gefahr bestehe, zur Frontstadt und Opfer einer Belagerung zu werden. Er kehrte noch einmal kurz zur Schule zurück, um das Notabitur abzulegen. Sein (nicht selbst gewähltes) Aufsatzthema im Abitur bezog sich zeitgemäß auf das Friedrich Schiller Schiller-Thema: ''Will, ruf' ich aus, das Schicksal mit uns enden, So stirbt sich's schön, die Waffe in den Händen.'' Schumacher war noch Jahrzehnte später tief beeindruckt davon, dass sich in den darauf folgenden Tagen auch die meisten seiner polnischen Mitschüler auf deutscher Seite als Kriegsfreiwillige meldeten - vor allem aus der Motivation heraus, gegen Russland zu kämpfen. Als Soldat im Infanterie-Regiment Nr. 21 wurde er bereits am 2. Dezember 1914 bei Bielawy westlich von Å?owicz in Polen schwer verwundet, ihm wurde der rechte Arm amputiert. Der 1,85 m große Schumacher fiel in den folgenden Monaten, zusätzlich auch noch von der Ruhr (Medizin) Ruhr befallen, von 72 kg auf 43 kg Gewicht. Am 10. Oktober 1915 wurde Schumacher offiziell aus dem Militär entlassen. Dafür, seinen rechten Arm im Krieg gelassen zu haben, erhielt er eine monatliche Rente von 33,75 Mark zuzüglich einer Kriegszulage von 15 Mark und der einfachen Verstümmelungszulage von 27 Mark sowie das Eisernes Kreuz Eiserne Kreuz zweiter Klasse. Culm fiel nach dem ersten Weltkrieg an Polen. Die Entscheidung war von heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der Stadt begleitet. Teile seiner Familie zogen ins verbleibende Deutsche Reich, andere blieben in Polen. Schumacher erlebte die Ereignisse zum größten Teil vor Ort, da er gerade sein Referendariat am Amtsgericht Culm ableistet.

Studium und Promotion


= Halle, Leipzig, Berlin
= Bild:Kurt_Schumacher4.JPG thumb|220px|Kurt-Schumacher-Platz,
[[Berlin-Reinickendorf
]] 1915 begann er ein Studium der Rechtswissenschaft und der Nationalökonomie an den Universitäten Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Halle, Universität Leipzig Leipzig und seit 1917 in Berlin. Auf die Zeit in Halle (Saale) Halle und Leipzig angesprochen, äußerte er sich später laut seiner Mitarbeiterin und engen Vertrauten Annemarie Renger sowohl in politischer als auch persönlicher Hinsicht sehr zurückhaltend. In Leipzig lernte er seine Cousine Dora kennen, mit der er – von der Zeit im KZ abgesehen – eine lebenslange Liebesbeziehung aufrechterhielt. Eine Heirat mit ihr lehnte er allerdings ab. ''Ich habe mich nie an Menschen geklammert'', sagte er später aus – allerdings dürften diese dann auch keine Ansprüche an ihn stellen. Er beendete sein Studium 1919 mit dem juristischen Staatsexamen und wurde Mitarbeiter im Reichsministerium für Arbeit Reichsarbeitsministerium. Da er in Berlin keinen Doktorvater fand, promovierte er 1926 an der Westfälische Wilhelms-Universität Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster (Westfalen) Münster zum Dr. jur. Sein Doktorvater war der bekannte Staatsrechtler Johann Plenge, der während des Ersten Weltkrieges der nationalkonservativen Lensch-Cunow-Haenisch-Gruppe innerhalb der SPD nahestand. Das Thema seiner mit ''Promotion (Doktor) magna cum laude'' abgeschlossenen Dissertation lautet: ''Der Kampf um den Staatsgedanken in der deutschen Sozialdemokratie.'' Über Plenge und Schumacher ergibt sich eine Kontinuitätslinie konservativ-nationalen Denkens innerhalb der SPD von der Lensch-Cunow-Haenisch-Gruppe bis hin zum heutigen, von Schumachers Mitarbeiterin Annemarie Renger mitbegründeten Seeheimer Kreis. Die Dissertation ist von vielen Kommentatoren als inhaltliche Bekenntnisschrift Schumachers aufgefasst worden. Nach der Novemberrevolution war die SPD zur tragenden Partei im Staat geworden. Wurde sie von diesem bis 1918 vor allem bekämpft, musste sie nun mit dem Staatsapparat arbeiten. Schumacher versuchte, das Problem in seiner Dissertationsarbeit anzugehen. Darin stellte er die beiden bedeutenden Theoretiker der Sozialdemokratie, Ferdinand Lassalle und Karl Marx, nebeneinander, die für Schumacher ''Haupttypen aller sozialistischen Politiker'' darstellten: Marx, der ''„den Staat aus dem Endziel hinwegphilosophiert“'' habe, um den ''„Mythus des emanzipierten Individuums“'' zu schaffen, während Lassalle im Arbeiterstaat das ''„höchste Menschheitsideal“'' sehe. Schumacher entschied sich in der Situation eindeutig für die Sozialdemokratie als ''Staatspartei'' – er beschrieb die seiner Ansicht nach bestehende Notwendigkeit der Eingliederung der Arbeiter ''in das Staatsganze'', er forderte die Notwendigkeit ''„der Festigung der Staatsgesinnung und der Stärkung des Abwehrwillens, vor allem gegen Russland.“''

In der SPD
In seiner Leipziger und Hallenser Zeit hielt Schumacher zur Partei Abstand. Die Städte waren Hochburgen der USPD, der damalige außerparlamentarische und auf den Politischer Streik politischen Streik hin ausgelegte Politikstil stößt ihn ab. 1917 trat er in den SPD-nahen ''Bund der Kriegsteilnehmer und Kriegsbeschädigten'' ein. Sein Mitgliedausweis trug die Nummer 116 einer Organisation, die bereits 1920 über 650.000 Mitglieder hatte. Nach dem für Schumacher äußerst ungewöhnlichen mehrjährigen Zögern trat er am 8. Januar 1918, also noch zu Zeiten des Kaiserreiches und Monate vor der Novemberrevolution, in die Sozialdemokratische Partei Deutschlands SPD ein. Als Akademiker in der SPD gehörte er somit sowohl bei den Sozialdemokraten als auch in akademischen Kreisen einer deutlichen, und auf beiden Seiten nicht eben beliebten, Minderheit an. Während der Revolution war er, unter anderem zusammen mit Otto Braun, Mitglied des Berliner Arbeiter- und Soldatenrates. 1920 wurde die SPD auch sein Arbeitgeber: er wurde politischer Redakteur der sozialdemokratischen Stuttgarter Zeitung ''Schwäbische Tagwacht''. In Stuttgart fiel Schumacher als leidenschaftlicher Redner und früher Gegner der Nationalsozialisten auf. 1924 wurde er Stuttgarter Vorsitzender des Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. 1930 wurde er Vorsitzender der SPD in Stuttgart, dem mitgliederstärksten Kreisverband der württembergischen SPD.

Kommunisten und Nationalsozialisten
Schon früh begann Schumacher, sich sowohl mit Kommunismus Kommunisten als auch Nationalsozialismus Nationalsozialisten – die er beide gleichermaßen entschieden ablehnte – auseinanderzusetzen. Schumachers Einschätzung nach hatten die Aktionen der späteren Kommunistische Partei Deutschlands KPD – und die dadurch verursachten Reaktionen der politischen Rechten – maßgeblich dazu beigetragen, den Spielraum für eine wirkliche demokratische Revolution verhängnisvoll einzuengen. Er hielt die in seinem Stuttgarter Wahlkreis vergleichsweise starke KPD für eine vollkommen aus Moskau gesteuerte Partei – die KPD verfüge über keinerlei innerparteiliche Demokratie, ihr Verhältnis zur Demokratie und zur Gewalt sei dem der NSDAP gleich. Eine Zusammenarbeit mit der KPD war für Schumacher zu keiner Zeit auch nur vorstellbar. Mit der Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei NSDAP setzt sich Schumacher erstmals 1923 näher auseinander. Seiner Auffassung nach sei der Antisemitismus das einzige Band, das die Bewegung zusammenhalte, der Nationalsozialismus glaube allein an die Gewalt und das postulierte Selbstbestimmungsrecht des Volkes werde dadurch zur Farce.

Abgeordneter in Land- und Reichstag
1924 wurde er Mitglied des Landtages von Württemberg. Hier war er seit 1928 Mitglied im Vorstand der SPD-Fraktion (Politik) Fraktion. 1931 schied er aus dem Landtag aus. Schumacher gehörte damit zu den wenigen führenden Politikern in der SPD, deren sozialdemokratische Sozialisation primär in der Weimarer Republik stattfand; er zog in der politischen Beurteilung der Situation weniger Parallelen zum Kaiserreich als die meisten seiner Kollegen und hatte dadurch ein offeneres Auge für die neuen Entwicklungen in der Weimarer Zeit. {| border="0" cellspacing="10" cellpadding="0" align="left" style="clear:left; float:left; padding:0; margin-left:0; margin-right:3ex;" |Bild:Kurt_Schumacher5.JPG thumb|280px|Berlin-Reinickendorf |} Nachdem Schumacher bei der Wahl 1928 nur um wenige Stimmen scheiterte, wurde er 1930 zum ersten Mal in den Reichstag (Weimarer Republik) Deutschen Reichstag gewählt. Er trat als entschiedener Gegner der Tolerierungspolitik gegenüber dem Kabinett Heinrich Brünings auf. Seit 1932 war er hier Mitglied des SPD-Fraktionsvorstands. Da der Reichstag nach 1930 kaum noch arbeitsfähig war, hielt Schumacher hier nur eine einzige Rede. Am 23. Februar 1932 griff er vor allem die NSDAP an: ''„Die ganze nationalsozialistische Agitation ist ein dauernder Appell an den inneren Schweinehund im Menschen“''; der NSDAP sei damit zum ersten Mal ''„in der deutschen Politik die restlose Mobilisierung der menschlichen Dummheit gelungen.“'' Spätestens ab dem 20. Juli 1932, dem Datum des Preußenschlags, sah sich Schumacher in unbedingter Opposition zur fortschreitenden politischen Entwicklung. Er gehörte auch dem nach der Machtergreifung Adolf Hitler Hitlers unter erschwerten Bedingungen gewählten Reichstag an. Er war einer der wenigen Parlamentarier, die mit an der Rede Otto Wels' arbeiten, mit der dieser das Nein der SPD zum Ermächtigungsgesetz formulierte. Die Kernaussage, ''Freiheit und Leben könne man den Sozialdemokraten nehmen, nicht aber ihre Ehre'', bestimmte Schumachers gesamtes Verhalten in der Zeit des Nationalsozialismus. Am 10. Juni plädierte er auf einer Sitzung der SPD-Reichstagsfraktion für die illegale Arbeit der Partei, ebenso am 19. Juni auf einer SPD-Reichskonferenz. Er war im Gegensatz zur Parteiführung, die glaubte, es könne nicht schlimmer als zu Zeiten von Bismarcks Sozialistengesetzen werden, Vertreter einer unnachgiebigen Haltung gegenüber den Nationalsozialisten. Vom 13. Juni 1933 an wurde Schumacher steckbrieflich gesucht.

Im Konzentrationslager
Am 6. Juli 1933, gut zwei Wochen nach dem Verbot der SPD, wurde Schumacher in Berlin verhaftet, nachdem er an einem geheimen sozialdemokratischen Treffen im Schwarzwald teilgenommen hatte. Schumacher bekam die Chance, eine Verzichtserklärung auf politische Betätigung zu unterschreiben und sich damit seine Freiheit zu erkaufen. Er lehnte ab. Daraufhin wurde er über einen Zeitraum von neun Jahren, neun Monaten und neun Tagen in verschiedenen Konzentrationslagern gefangen gehalten, zunächst bis Dezember 1933 im Lager Heuberg KZ Heuberg, danach bis Juli 1935 im KZ Oberer Kuhberg in Ulm, anschließend im KZ Dachau und zeitweilig im KZ Flossenbürg. Schumacher konnte zwar als Weltkriegsveteran auf eine leichte Rücksichtnahme hoffen, riskierte aber durch mehrfachen Widerspruch und sogar einen Hungerstreik mehrfach sein Leben. Er lehnte im Konzentrationslager jeglichen Kontakt zu kommunistischen Gefangenen ab, da er sie für mitschuldig an der Machtübernahme der Nazis hielt. Am 16. März 1943 wurde er als schwerkranker Mann nach Hannover entlassen, wo er sich zwangsweise bis zur Befreiung am 10. April 1945 aufhalten musste, doch nach dem Attentat am 20. Juli 1944 wurde er vom 24. August bis 20. September 1944 im KZ Neuengamme erneut inhaftiert.

Wiederaufbau der SPD
Unmittelbar nach Kriegsende und der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus begann Kurt Schumacher mit dem Wiederaufbau der Sozialdemokratische Partei Deutschlands SPD. Wie August Bebel wurde Schumacher als ''wahrer Volkstribun, mitreißender Redner, Führer, an den glaubte, wer zur SPD gehörte'' (Peter Lösche) beschrieben. Seine Genossen spornte er immer an, weiterzumachen, auch wenn es sich nicht mehr zu lohnen schien. Zu der Jugend in der SPD hatte er ein gutes Verhältnis, da ihn diese wegen seiner strikten Ablehnung des Nationalsozialismus bewunderte. Bereits am 6. Mai 1945, zu einem Zeitpunkt, als die Bildung politischer Parteien von der britischen Besatzungsmacht noch verboten war, wurde Schumacher von etwa 130 sozialdemokratischen Funktionären in Hannover zum lokalen Vorsitzenden gewählt. Schumacher bewies im Nachkriegschaos großes organisatorisches Geschick und stieg in kurzer Zeit zur unangefochtenen Führungsfigur der Sozialdemokratie in den westlichen Besatzungszonen auf. Im Juli 1945 beauftragten elf westdeutsche Parteibezirke ''„den früheren Reichtagsabgeordneten Dr. Kurt Schumacher mit der organisatorischen und politischen Führung der Partei im gesamten Reich“''. Am 10. Mai 1946, vier Wochen nach der von ihm heftig bekämpften Zwangsvereinigung von KPD und Sozialdemokratische Partei Deutschlands SPD zur SED in der Sowjetische Besatzungszone sowjetischen Zone, wurde Schumacher schließlich mit 244 von 245 Stimmen zum Parteivorsitzenden der SPD in den drei westlichen Besatzungszonen gewählt. Das ''Büro Dr. Schumacher'' in Hannover entwickelte sich zur faktischen Parteizentrale, seine Mitarbeiter wie Erich Ollenhauer, Annemarie Renger, Egon Franke, Alfred Nau, Herbert Kriedemann und Herta Gotthelf bildeten das organisatorische Grundgerüst der SPD. Vom 5. bis 7. Oktober 1945 wurde nach zwölfjähriger Gewaltherrschaft in Wennigsen (Deister) Wennigsen die Sozialdemokratische Partei Deutschlands SPD wiedergegründet. Auf dem als ''erste zentrale Zusammenkunft von Sozialdemokraten'' bezeichneten Treffen kamen Sozialdemokraten aus allen Teilen Deutschlands sowie dem Sozialdemokratische_Partei_Deutschlands#1933_bis_1949:_Nationalsozialismus.2C_Zweiter_Weltkrieg.2C_Nachkriegszeit Londoner Exilvorstand zusammen. Diese Versammlung entschied, Dr. Kurt Schumacher mit der Leitung des Wiederaufbaus der SPD in den drei westlichen Besatzungszonen zu beauftragen. {| border="0" cellspacing="10" cellpadding="0" align="left" style="clear:left; float:left; padding:0; margin-left:0; margin-right:3ex;" |Bild:Kurt_Schumacher3.jpg thumb|220px|Kurt-Schumacher-Haus, Berlin-Wedding |---- |Bild:Kurt_Schumacher2.JPG thumb|220px|Müllerstraße 163 |} Schumacher wollte die Fehler der Weimarer Republik vermeiden und griff in seinen inhaltlichen Konzepten auf Überlegungen aus der Weimarer Zeit und auf die der Sozialdemokraten im Exil zurück. Sein Einfluss auf die Entwicklung der SPD weg von der Klassenpartei mit marxistisch geprägtem Programm hin zur pluralistischen linken Volkspartei war widersprüchlich. Zum einen entstammte er keinem typischen SPD-Hintergrund, gehörte gegenüber den Führern der Weimarer Republik einer neuen Generation an und hatte sich theoretisch fundiert von jeglichen vom Marxismus geprägten Revolutionsaussichten verabschiedet. Für ihn war die Partei nicht in erster Linie eine ''Arbeiterpartei'', sondern eine Partei von Freiheit und Gerechtigkeit. Die Arbeiter sollten zwar eine gleichberechtigte Rolle im Staat einnehmen, Schumacher aber strebte keinen ''Arbeiterstaat'' mehr an. Seine Positionen, insbesondere sein Patriotismus, öffneten der SPD auch Wähler- und Mitgliederkreise, die ihr bisher verschlossen gewesen waren. Andererseits erstickte er auch innerparteiliche Diskussionen, die immer wieder beispielsweise von Carlo Schmid angeregt wurden, im Keim. Die Anregungen, die so insbesondere durch den Aufenthalt vieler Sozialdemokraten im Exil entstanden, brauchten so Jahre länger, um innerparteilich wirksam zu werden.

Autoritärer Führungsstil
Schumacher sah die Politische Partei Partei als wichtigste Trägerin des politischen Systems an. Im Nachkriegschaos, angesichts der großen Aufgaben, denen sich die frühe bundesdeutsche Politik stellen musste, sicher aber auch persönlichkeitsbedingt, war für ihn die Einheit der Partei eines der wichtigsten Ziele. Zu den oft kritisierten Eigenschaften Kurt Schumachers gehörte sein autoritärer Führungsstil. Der in seinem Führungsstil vollkommen gegensätzlich gelagerte Willy Brandt charakterisierte ihn in seinem Buch ''Links und frei'' so: ''„Ich begriff – etwas widerstrebend – die magnetische Wirkung, die er auf viele ausübte. Er bat nicht, er forderte. Er wog nicht Argumente gegeneinander ab, sondern schleuderte das Ergebnis seines Nachdenkens in den Zuhörerkreis – und dies mit erheblichem Stimmaufwand.“'' Schumacher verlangte von den Mitgliedern der SPD eine eiserne Parteidisziplin und war Verfechter des Fraktionszwangs. SPD-Politiker, die öffentlich eine abweichende Meinung vertraten, wurden von ihm scharf angegriffen, so zum Beispiel Wilhelm Hoegner und Wilhelm Kaisen. Im Fall Hoegner geriet der fast schon militante Zentralist mit dem ebenso vehementen bayerischen Föderalisten aneinander. Während Hoegner Schumachers ''„Diktator-Allüren“'' kritisierte, sah Schumacher in Hoegner nicht ganz zu unrecht einen Separatisten, der mit der Bayernpartei darüber wetteifere, wer der überzeugtere Bayer sei. Mit Hilfe seines Büros, der bayerischen SPD, die Hoegners Positionen ebenfalls für weit übertrieben hielt, und des ehemaligen Londoner Emigranten Waldemar von Knoeringen gelang es Schumacher schließlich, Hoegner innerhalb der SPD zu isolieren. Im Fall Paul Löbe begründete Schumacher seine Einstellung wie folgt: ''„Die individuelle Meinungsfreiheit ist auch in der Öffentlichkeit gesichert. Wenn aber einmal Entschlüsse vorliegen, dann müssen sie auch respektiert werden. Es kann auch nicht nach Beschlussfassung die Diskussion in jedem Moment von neuem beginnen.“'' Die ''„demokratische Freiheit“'' lag für Schumacher ''„in der Einordnung in die große Idee, deren praktische Gestaltung demokratisch fixiert ist.“'' Innerhalb der Sozialdemokratische Partei Deutschlands SPD gab es wenige, die widersprechen, geschweige denn seinen Führungsanspruch in Frage stellten. Das Fraktionsmitglied Heinrich Ritzel erklärte die Tatsache, dass Schumacher auch in parteiinternen Diskussionen kaum Widerspruch erntete, mit der scharfen Art der schumacherschen Argumentation, die viele bereits ''„frühzeitig verstummen ließ“''; andere ''„schwiegen gegenüber dem Mann, der durch seine physischen Leiden so etwas wie Unantastbarkeit ausstrahlte.“'' Einer der wenigen, die Schumachers Stil offen kritisierten, war Paul Löbe. In einem Brief an Schumacher schrieb er: ''„Du weißt, wie sehr wir Dich alle schätzen ... daß aber nun überhaupt keine andere Meinung in der Partei laut werden soll als die Deine, scheint mir etwas zu viel verlangt ... wohl zehnmal haben Genossen mich schon gefragt, ist denn niemand da, der Kurt das einmal offen sagt. Ja, ja, es gibt Leute, die sich davor zu fürchten scheinen. Schließlich aber kann eine gesunde Politik nicht nur dadurch betrieben werden, daß man die anderen rechts und links dreimal täglich vor den Kopf stößt.“'' Im Gegensatz aber zu möglichen Kontrahenten hatte Schumacher die Vorteile klar auf seiner Seite. Er besaß ein kohärentes politisches Konzept für die Nachkriegszeit, er hatte die Achtung und den Respekt der Parteimitglieder, den politischen Durchsetzungswillen und eine Organisation, um diesen Willen auch durchzusetzen – alles Faktoren, die den anderen fehlten.

Erster Oppositionsführer der Bundesrepublik
Schumacher lehnte 1946 das Angebot der Alliierten ab, Ministerpräsident Württemberg-Badens zu werden, da er sich nicht regional in seinen Aktionen beschränken wollte. Er wurde stattdessen im selben Jahr zum Vorsitzenden des Zonenbeirats in der Britische Besatzungszone Britischen Besatzungszone gewählt. bild:Wahl1949.png thumb|280px|Stimmenverteilung Bundestagswahl 1949 Bei der Bundestagswahl 1949 wurde Kurt Schumacher in den ersten Deutscher Bundestag Deutschen Bundestag gewählt. Die SPD unterlag nach anfänglich gegenteiligen Prognosen mit 29,2 % der Stimmen gegenüber CDU/Christlich-Soziale Union in Bayern CSU, die 31,0 % der Stimmen auf sich vereinigen können. Im Gegensatz zu vielen anderen in der SPD, namentlich etwa den Landespolitikern Wilhelm Kaisen (Bremen), Max Brauer (Hamburg) und Hermann Lüdemann (Schleswig-Holstein), sprach Schumacher sich entschieden gegen eine große Koalition und damit für eine Oppositionsrolle der SPD aus. Die beiden unumstrittenen Parteiführer der großen Parteien waren gegen starke innerparteiliche Opposition für eine klare Richtungsentscheidung durch die Wahlen. Auch persönlich wäre sowohl ein Minister Schumacher in einem Kabinett Konrad Adenauer Adenauer als auch die umgekehrte Konstellation nur schwer vorstellbar gewesen. Bereits auf einer Wahlversammlung im Oktober 1946 sah Schumacher die Rolle der SPD in der Opposition als Möglichkeit. Die Sozialdemokraten fürchteten sich ''„auch nicht vor einem gefährlichen Leben in der Opposition, denn wir Sozialdemokraten sagen uns, es ist besser für uns und die Welt, wenn die Opposition einmal von einer internationalistischen demokratischen Partei als von Chauvinisten und Nationalisten und allen Reaktionären, die ja augenblicklich bei der CDU untergekrochen sind, soweit sie nicht im Osten des Reiches bei der SED sind.“'' Konrad Adenauer wurde erster Bundeskanzler (Deutschland) Bundeskanzler, Kurt Schumacher wurde als erster Oppositionsführer sein Gegenspieler im Bundestag. Im Gegensatz zur Praxis in der Weimarer Republik begriff er die Oppositionsrolle stets als konstruktiv. Die Opposition solle nach Schumachers Meinung nicht in erster Linie die Regierung kritisieren, sondern selbst in der Lage sein, bessere oder zumindest gleichwertige Konzeptionen zu liefern. Mit dieser parlamentarischen Stiländerung hinterließ er vielleicht sein wichtigstes Vermächtnis für das Politisches System Deutschlands politische System der Bundesrepublik. Schumacher war unumstrittener Führer der SPD-Fraktion; obwohl er mit dem Plan scheiterte, den Fraktionszwang in die Geschäftsordnung schreiben zu lassen, übte er ihn praktisch konsequent aus. Er war, auch aus der Weimarer Erfahrung heraus, der Ansicht, dass das Parlament ebenso wie eine handlungsfähige Regierung eine geschlossene Opposition benötige, die auch in der Lage wäre, die Regierung zu übernehmen. In der deutschen Tradition schuf er so erst das Amt des Oppositionsführers. 1949 kandidierte Schumacher bei den Wahlen zum Amt des Bundespräsident (Deutschland) Bundespräsidenten, unterlag aber dem Freie Demokratische Partei FDP-Kandidaten Theodor Heuss, der auch von den Unionsparteien mitgetragen wurde (siehe Bundespräsidentenwahl 1949). Dieses Verhalten Schumachers war aber nicht im Sinne eines Rückzuges aus der aktiven Politik hin zur Übernahme einer repräsentativeren Aufgabe zu verstehen. Dadurch, dass er sich selbst zur Wahl stellte, beugte Schumacher immer lauter werdenden Forderungen aus Koalitionskreisen, einen SPD-Politiker an die Spitze des Staates zu wählen, vor. Am 20. August 1952 starb der schwerkranke Schumacher in Bonn an den Spätfolgen der langen KZ-Haft. Beigesetzt wurde er in Hannover auf dem Stadtfriedhof Ricklingen. An den Straßen zwischen Bonn und Hannover standen hunderttausende Menschen und gaben ihm die letzte Ehre. Die ''Süddeutsche Zeitung'' schrieb in ihrem Nachruf: ''„Wir brauchen Dich, obwohl Du unser Gegner bist, und wir wissen es. ... Und das weitere Tröstliche ist darin enthalten, daß es hier keiner mittelmäßigen und mittellauwarmen Persönlichkeit entgegenwallte, keinem 'Wirte wundermild', sondern einem Strengen, Abweisenden, Unerbittlichen.“''

Politische Vorstellungen Schumachers
Zentral für Schumachers politische Vorstellungen ist der Begriff des Volkes in seinen beiden Bedeutungsebenen, sowohl als Begriff für den Dritter Stand dritten Stand, die ausgebeuteten und unterdrückten Massen, als auch im Sinne eines Staatsvolkes. Kurt Schumacher wollte ein demokratisches und sozialistisches, ungeteiltes Deutschland, möglichst in den Grenzen von 1937; Deutschland sollte möglichst schnell seine Souveränität wiedererlangen und seinen Platz unter den freien Völkern Europas einnehmen. Er stand in der Tradition der Revolution von 1848 und der von Novemberrevolution 1918, er kämpfte für einen unitarischen Verfassungsstaat, Wahl freie Wahlen, Parteiendemokratie, Parlamentarismus, die Überwindung des Obrigkeitsstaates und der Kapitalismus kapitalistischen Soziale Klasse Klassengesellschaft. Für ihn war die SPD die einzige Partei, die weder durch den Nationalsozialismus noch durch den Stalinismus belastet ist; die Sozialdemokraten seien deshalb als einzige in der Lage, ein freies Deutschland in ein freies Europa zu leiten und so zum Spannungsabbau zwischen den Großmacht Großmächten beizutragen. {| border="0" cellspacing="10" cellpadding="0" align="left" style="clear:left; float:left; padding:0; margin-left:0; margin-right:3ex;" |Bild:Kurt_Schumacher6.JPG thumb|220px|Platte am Kurt-Schumacher-Denkmal, Berlin |} Schumacher besaß in seinen Politikkonzeptionen den Vor- und Nachteil, nie administrative Macht inne gehabt zu haben: Ein Vorteil, weil er seine Vorstellungen so nie an der Realität messen musste, undurchführbare Pläne nicht offensichtlich wurden und innere Widersprüche weniger offensichtlich waren; ein Nachteil, da er so kaum einem Druck zum Lernen ausgesetzt war. Er konnte seine Positionen beibehalten, auch in einer weltgeschichtlichen Lage, die sich rapide änderte. So führte er die SPD in eine programmatische Isolation, aus der sich wieder zu befreien sie lange Zeit, bis in die 1960er hinein, brauchte.

Sozialismus
Schumacher war vom programmatischen Erbe der bebelschen SPD geprägt: Für ihn war die Überwindung des Klassenkampfes eines der zentralen Politikziele. Seiner Meinung nach könne dies nur durch die Verstaatlichung der Schlüsselindustrien geschehen. Ebenso tief war er vom Scheitern der Weimarer Republik beeinflusst und meinte, eine der Ursachen dafür in der mangelnden Demokratisierung der Wirtschaft zu finden. Insbesondere im Nachkriegschaos plädierte er, ähnlich wie die Labour-Party in Großbritannien, aber auch bedeutende Teile der CDU, für eine Planwirtschaft, um die Versorgung der Bevölkerung mit dem Notwendigsten sicherzustellen.

Demokratie
Demokratie und die Beteiligung des Volkes an der Macht ließen sich für Schumacher am besten mit freien und allgemeinen Wahlen durchsetzen. Wegen der zahlenmäßigen Überlegenheit des Volkes gegenüber den traditionellen Funktionseliten seien Wahlen der sicherste Weg, die Privilegien der Funktionseliten zu beseitigen. Konzeptionen wie die der Bolschewiki, die die Volksherrschaft erst nach einer Zeit der Diktatur des Proletariats anvisierten, lehnte er ab. Für ihn führten nur demokratische Verfahrensweisen auch zu einer Volksherrschaft.

Antikommunismus
Bekannt ist Kurt Schumacher wegen seiner Äußerung, dass Kommunisten nichts anderes ''als rotlackierte Faschisten'' seien. Schumacher warf der Kommunistische Partei Deutschlands KPD ''„Klassenverrat“'' vor, da sie die Weimarer Republik nicht nur nicht verteidigt, sondern auch aktiv zu ihrem Untergang und damit zum Aufstieg der Nationalsozialisten beigetragen habe. Für ihn war die KPD ein willenloses Vollstreckungsorgan der Sowjetunion sowjetischen Außenpolitik; in ihren Beschwörungen von Demokratie und deutscher Einheit sah er bloße Taktik. Mit einer ''neo-nationalistischen'' Sprache, die ''„gleich der des alten Nazismus“'' sei, betreibe die KPD und später die SED eine ''„nationalrussische Politik mit nationaldeutschen Phrasen.“'' Auf ein Verhandlungsangebot der Volkskammer reagierte er am 30. Januar 1951 im Bundestag mit seiner üblichen ätzenden Schärfe: ''„Die deutschen Demokraten können nur mit Deutschen über Deutschland verhandeln, aber nicht mit Gesinnungsrussen, deren Deutschtum eine bloße Äußerlichkeit ist.“'' Obwohl es in der SPD Stimmen gab, die ein Zusammengehen mit den Kommunisten befürworteten, und auch in anderen Ländern wie zum Beispiel Italien und Frankreich eine gemeinsame ''antifaschistische Front'' von Kommunisten und Sozialdemokraten gebildet wurde, vollzog Schumacher bereits im Sommer 1945 eine klare Trennung von der SPD in der Sowjetische_Besatzungszone sowjetischen Besatzungszone unter Otto Grotewohl. Die von ihm durchgesetzte Abgrenzung der SPD vom Kommunismus bestimmte die Partei bis in die 1970er hinein; erst diese Abgrenzung isolierte den organisierten Kommunismus von seinen wichtigsten Ansprechpartnern, der SPD und den von ihr dominierten Gewerkschaften, und verhinderte so seinen Einfluss auf die gesellschaftliche Mitte.

Patriotismus
Der Politologe Hans-Peter Schwarz beschrieb Schumacher als ''„mit Getöse national.“'' In einem Aufruf aus dem Jahr 1945 schrieb Schumacher: ''„Mag das Verbrechen des deutschen Nazismus an der Welt noch so schwer sein, das deutsche Volk kann und darf nicht darauf verzichten, sein Reich ... als nationales und staatliches Ganzes zu behaupten. Für die arbeitenden Massen sind Idee und Tatsache des Deutschen Reiches nicht nur nationalpolitisch, sondern auch klassenpolitisch eine Notwendigkeit. Ihr politischer und wirtschaftlicher Befreiungskampf ist ohne diese Grundlage zur Erfolglosigkeit verurteilt.“'' Der gebürtige Preuße war fest davon überzeugt, dass es einer der schwersten Fehler der Weimarer Linken gewesen sei, die ''nationale Idee'' den Konservativen und Nationalsozialisten zu überlassen. Nie wieder solle die SPD als national illoyal diskreditiert werden können. Mit Leidenschaft allerdings griff er Kräfte an, die seiner Überzeugung nach mit dem Nationalsozialismus paktiert hatten. Für ihn verlief der Gegensatz nicht zwischen national und international, sondern zwischen national und nationalistisch. Nationalismus war 1947 für ihn ''„die heutige Form des Nihilismus in der Welt“'' und damit zutiefst abzulehnen. Die Rolle der SPD sah er 1950 in den Verhandlungen zum Europarat darin, ''„durch Wahrung der nationalen Rechte den Nationalismus unmöglich zu machen und ihn unter Zustimmung des ganzes Volkes zerschlagen zu können.“'' Seine Art, dem Patriotismus Ausdruck zu verleihen, machte es allerdings seinen Gegnern leicht, ihn außenpolitisch als linken Nationalisten zu isolieren. Insbesondere, da Schumacher als aktiver Widerstandskämpfer bereits im KZ gesessen hatte, während viele westliche Staatsmänner Adolf Hitler noch hofiert hatten, meinte er, es sich leisten zu können, auf Augenhöhe, wenn nicht sogar aus einem Gefühl moralischer Überlegenheit heraus, gegenüber den Siegermächten auftreten zu können. Deren Wahrnehmung, dass Schumacher zwar als Individuum Widerstand geleistet habe, damit jedoch keineswegs ein typischer Deutscher sei, konnte oder wollte er nicht sehen. Auch nach dem Krieg arbeiteten die westlichen Staaten mit den Repräsentanten der Klassen und Schichten zusammen, die nach Schumachers Meinung die Republik nur ungenügend verteidigt hatten. Er kam in die Situation, im Ausland als deutscher Nationalist verschrien zu sein, während die seiner Meinung nach Steigbügelhalter des Nationalsozialismus schon wieder hofiert wurden. Bild:Kurt_Schumacher8.jpg thumb|240px|Kurt-Schumacher-Platz,
Berlin-Reinickendorf
Nach den Erfahrungen mit dem Vertrag von Versailles und der deutschen Erfüllungspolitik meinte Schumacher, dass Härte allein nötig wäre, um wieder eine nationale Gleichberechtigung Deutschlands auf internationaler Bühne zu erreichen. Schumachers Position zur Europäische Einigung europäischen Einigung und zur Westbindung der Bundesrepublik blieb inkohärent. Einerseits legte ihn seine leidenschaftliche Ablehnung der Sowjetunion und des dort praktizierten Realsozialismus in der Situation des beginnenden Kalter Krieg Kalten Krieges faktisch auf eine Westbindung fest. Andererseits widersetzte er sich den Schritten, die diese Festlegung praktisch unterstützten: Europarat, Montanunion und europäische Verteidigungsgemeinschaft. Diese erschwerten seiner Auffassung nach die deutsche Wiedervereinigung dauerhaft oder machten sie ganz unmöglich. Kritisch gegenüber Frankreich, Großbritannien und erst recht den von ihm als kapitalistische Vormacht empfundenen USA, verweigerte er sich den Schritten, die eine Westbindung konkretisiert hätten. Verglichen mit den Werten der Zeitalter der Aufklärung Aufklärung und eines freiheitlichen Sozialismus empfand er die faktische Situation in diesen Ländern als zutiefst unbefriedigend und konnte sich zu einer echten Zusammenarbeit mit ihnen nicht überwinden. Schumacher profilierte sich im Deutscher Bundestag Bundestag als scharfer Gegner der Politik der Westeinbindung von Konrad Adenauer. Er sah hierin die Gefährdung einer baldigen Wiedervereinigung. Im Zuge der Auseinandersetzungen um das Petersberger Abkommen bezeichnete er Adenauer in der Nacht vom 24. November auf den 25. November 1949 als den ''„Bundeskanzler der Alliierte Alliierten“'' und wurde daraufhin für mehrere Sitzungstage aus dem Bundestag ausgeschlossen. Später nahm er dieses Zitat zurück. Er ist der Urheber der von Adenauer übernommenen ''Magnet-Theorie''.

Literatur
*Albrecht, Willy (Hrsg.): ''Kurt Schumacher: Reden - Schriften - Korrespondenzen 1945-1952'', Berlin, Bonn/Bad Godesberg 1985. Quellenedition. ISBN 380121107X *Dowe, Dieter (Hrsg.): ''Kurt Schumacher und der „Neubau“ der deutschen Sozialdemokratie nach 1945'', Bonn/Bad Godesberg 1996. (Tagungsband) ISBN 3860774611 *Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg.): ''Kurt Schumacher und seine Politik.'' Berlin, Argon Verlag 1996. Wissenschaftliches Symposium am 30. Oktober 1995. ISBN 3870247932 (Tagungsband, starker Schwerpunkt auf seinen politischen Konzeptionen ab 1945.) *Wolfgang Koeppen Koeppen, Wolfgang: ''Das Treibhaus'', 1953, ISBN 3937793259 (Roman. Die Person Knurrewahn ist ein leicht verfremdetes Portrait Kurt Schumachers.) *Peter Merseburger Merseburger, Peter: ''Der schwierige Deutsche Kurt Schumacher. Eine Biographie.'' Stuttgart 1995. ISBN 342105021X (Erhebt keinen wissenschaftlichen Anspruch, ist aber eine lesenswerte Synthese des allgemeinen Kenntnisstandes) *Schober, Volker: ''Der junge Kurt Schumacher 1895-1933.'' Reihe Politik- und Gesellschaftsgeschichten des Historischen Forschungsseminars der Friedrich-Ebert-Stiftung Bd. 53; Bonn 2000, J. H. W. Dietz Nachfolger. ISBN 3801241106 (Wissenschaftliche Biografie über die frühen Jahre). *Wesemann, Fred: ''Kurt Schumacher. Ein Leben für Deutschland.'' Frankfurt a. M. 1952. (Wurde in den biografischen Fakten und Zitaten teilweise noch von Schumacher korrektur gelesen und besitzt so teilweise Quellencharakter. Das Buch selber ist im Rahmen einer Kampagne der Bundesregierung zur Etablierung der Demokratie herausgegeben worden und trägt so stark typisierende und schönende Züge des Schumacherschen Charakters.) Es gibt keinen gesammelten Nachlass Schumachers. Der allergrößte Teil seiner älteren Unterlagen und persönlichen Dokumente wurde von den Nationalsozialisten vernichtet.

Weblinks
siehe auch: Kurt-Schumacher-Brücke {{Wikiquote|Kurt Schumacher}} * {{PND|118611615}}
- Biografie bei Lemo
- Titelblatt des TIME-Magazins 1952
- Biografie bei der Friedrich-Ebert-Stiftung
- Antwortrede von Kurt Schumacher auf die Regierungserklärung Adenauers vom 21. September 1949 (PDF)
- Rede Kurt Schumachers zum Deutschlandvertrag von 1952 (PDF)
- Rede Kurt Schumachers zum so genannten Schuman-Plan (PDF)
- "Kurt Schumacher - der geschundene Kandidat" Serie über gescheiterte Kanzlerkandidaten bei Spiegel.de
{{Navigationsleiste Bundesvorsitzende der SPD}} {{Navigationsleiste Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion}}
{{DEFAULTSORT:Schumacher, Kurt}} Kategorie:Mann Kategorie:Deutscher Kategorie:Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion Kategorie:Bundesvorsitzender der SPD Kategorie:Reichstagsabgeordneter Kategorie:NS-Opfer Kategorie:Geboren 1895 Kategorie:Gestorben 1952 {{Exzellent}} {{Personendaten |NAME=Schumacher, Kurt |ALTERNATIVNAMEN= |KURZBESCHREIBUNG=Deutschland deutscher Politiker |GEBURTSDATUM=13. Oktober 1895 |GEBURTSORT=CheÅ‚mno nad Wisłą Culm, Westpreußen |STERBEDATUM=20. August 1952 |STERBEORT=Bonn }} el:ΚουÏ?Ï„ ΣουμάχεÏ? en:Kurt Schumacher fr:Kurt Schumacher it:Kurt Schumacher ja:クルト・シューマッãƒ?ー lb:Kurt Schumacher nl:Kurt Schumacher no:Kurt Schumacher simple:Kurt Schumacher sv:Kurt Schumacher

*** Shopping-Tipp: Kurt Schumacher




[Der Artikel zu Kurt Schumacher stammt aus dem Nachschlagewerk Wikipedia, der freien Enzyklopädie. Dort findet sich neben einer Übersicht der Autoren die Möglichkeit, den Original-Text des Artikels Kurt Schumacher zu editieren.
Die Texte von Wikipedia und dieser Seite stehen unter der GNU Free Documentation License.]

<<Zurück | Zur Startseite | Impressum | Zum Beginn dieser Seite